Policy·6 min

Von Shamir

Wo Tuneline einzuordnen ist: Mediaplayer vs. Inhaltsdienste

„Streaming-App“ wird so verwendet, als wäre es eine einzige Kategorie. Das ist sie nicht. Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Software unter diesem Begriff, und sie funktionieren überhaupt nicht gleich.

Inhaltsdienste

Netflix, Spotify und ein Kabelreceiver sind Inhaltsdienste. Das entscheidende Merkmal ist, dass der Dienst einen Katalog zusammenstellt – er lizenziert Titel, entscheidet, was in der Bibliothek enthalten ist, und verkauft Zugang zu genau dieser Bibliothek. Kündigst du das Abonnement, verschwindet auch der Katalog, denn du hast für den Zugang zu deren Inhalten bezahlt und nicht für ein Stück Software. Die App bündelt Schaufenster und Player, aber verkauft wird das, was sich darin befindet.

Mediaplayer

VLC, Kodi, Infuse, die Plex-Client-App und Tuneline sind Mediaplayer. Ein Mediaplayer wird ganz ohne Katalog ausgeliefert. Er ist ein Werkzeug, das beliebige Dateien oder Streams wiedergibt, auf die er verwiesen wird – eine lokale Videodatei, eine Netzwerkfreigabe, eine von dir eingegebene URL. Der Player bewertet den Inhalt nicht und besitzt keine Lizenz, ihn zu verkaufen, denn er verkauft keine Inhalte. Er verkauft (oder verschenkt) die Software, die sie wiedergibt.

Die Kategorien lassen sich mit einer Frage unterscheiden: Wenn du morgen das gesamte Backend der App löschen würdest, gäbe es dann noch etwas anzusehen? Bei einem Inhaltsdienst lautet die Antwort nein – die App ist nur ein Fenster zu einer Bibliothek, die auf den Servern des Dienstes liegt. Bei einem Mediaplayer stellt sich die Frage gar nicht, weil der Player nie eine Bibliothek hatte. Er gibt wieder, was du ihm übergibst, und das, was du ihm übergibst, existiert unabhängig vom Player weiter.

Wo Tuneline einzuordnen ist

Tuneline wird ohne eigene Inhalte ausgeliefert und hat keinen Katalog, den es verlieren könnte. Jede Quelle, die darin abgespielt wird, wurde von der Person hinzugefügt, die die Quelle bereits an anderer Stelle hatte. Löscht man das Backend von Tuneline vollständig, ändert sich an der Wiedergabe bestehender Quellen nichts, weil die Wiedergabe nie darüber geleitet wurde. (⟦0⟧Die technischen Abläufe.⟦1⟧) Damit ist der Kategorie der Mediaplayer zuzuordnen, zusammen mit ⟦2⟧ und , und nicht der Kategorie der Inhaltsdienste wie Netflix oder Kabelanbieter. Das zeigt sich auch daran, wie die App ihre eigene Kategorie gegenüber App-Stores und in strukturierten Daten beschreibt: als ⟦0⟧ und nicht als Video-on-Demand- oder Rundfunkdienst.

Warum die Kategorie wichtiger ist, als man zunächst denkt

Die beiden Kategorien bringen völlig unterschiedliche Pflichten mit sich. Ein Inhaltsdienst ist für die Inhalte seines Katalogs verantwortlich, weil er ihn selbst zusammengestellt hat. Ein Mediaplayer ist dafür verantwortlich, Inhalte korrekt wiederzugeben und deine Daten ordnungsgemäß zu verarbeiten – nicht für die Inhalte einer URL, die jemand anderes betreibt, denn der Player hat weder zusammengestellt noch lizenziert oder ausgewählt, was sich unter dieser URL befindet.

Die beiden Kategorien gleichzusetzen, nur weil beide technisch gesehen am Ende ein Video auf einem Bildschirm anzeigen können, verfehlt den entscheidenden Punkt: Wer ist wofür verantwortlich? Dafür, ob die Software einen Katalog aufgebaut hat oder ob sie lediglich wiedergibt, was ihr übergeben wurde.

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— Shamir

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